Die Wurzeln des knapp 40.000 Einwohner zählenden „Tor zur Sächsischen Schweiz“ liegen im 13. Jahrhundert. Vor dem gesellschaftspolitischen Umbruch 1990 war das historische Zentrum der Stadt dem Verfall preisgegeben. Zwar war die über Jahrhunderte gewachsene städtebauliche Struktur der Altstadt mit den zahlreichen Gebäuden aus der Spätgotik bis zur Renaissance noch vorhanden, jedoch war die bauliche Substanz des Bestandes größtenteils schwer geschädigt.
Neubeginn am Tor zur Sächsischen Schweiz
Im Jahr 1990 war der Zustand der historischen Altstadt nach 40 Jahren Verfall verheerend: Von den 670 Haupt- und Nebengebäuden im 17,4 Hektar umfassenden Sanierungsgebiet hatten 566 Gebäude mittlere bis schwerste Schäden an der Bausubstanz. Ein unverzüglicher Beginn der Sanierungsmaßnahmen war notwendig.
Die Altstadt sollte als lebendiger und vielfältiger Wohn- und Lebensraum für die Bürger der Stadt wieder aufgebaut werden. Zum obersten Ziel der Stadtsanierung wurde die Erhaltung der denkmalgeschützten Gebäude durch behutsame Sanierung im historischen Kontext erklärt. Darüber hinaus galt es die zentralen Funktionen als Wohnstandort mit Handel, öffentlichen und privaten Dienstleistungen, Kultur und Tourismus zu stärken.
Positive Bilanz nach 20 Jahren Stadtsanierung
Nach gut 20 Jahren enormer gemeinsamer Anstrengung der am Sanierungsprozess beteiligten Partner, sind ca. 90 % des Gebäudebestands saniert oder zumindest intakt. Durch die Sanierung und vielfältige Nutzung der Gebäude entwickelte sich die Altstadt zu einem multifunktionalen Zentrum. Wichtigste öffentliche Maßnahmen waren die Sanierung des historischen Rathauses, des Stadtmuseums, der Marienkirche, die Verlagerung der Stadtbibliothek, die Einrichtung des binationalen Internats für das Deutsch-Tschechische Gymnasium, die Herrichtung und qualitative Aufwertung von Straßen und Plätzen. Darüber hinaus wurde ein großer Teil der privaten Gebäude von den Eigentümern unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes saniert.
Im Stadtbild erinnern nur noch wenige Narben an die Zeit der Vernachlässigung. Die Einwohnerzahl im Sanierungsgebiet wuchs nach dem Tiefstand 1998 von ca. 1.000 auf 1.700 im Jahr 2010 an. Die Altstadt ist bei der ansässigen Bevölkerung wieder als Wohnstandort gefragt und von Touristen gern besucht.
Neben der im Jahr 2010 begonnenen Sanierung des Schlosses ist die Sanierung der überwiegend privaten städtebaulich bedeutsamen Gebäude wichtigste Aufgabe in den nächsten Jahren.
Unterstützung des Sanierungsprozesses
Die KEM begleitet die Stadt Pirna seit 1991 bei der Durchführung der Sanierung und ist insbesondere für die finanzielle Abwicklung der umfangreichen Fördermittel sowie die förderrechtliche Betreuung der privaten und öffentlichen Bauvorhaben zuständig. Zudem unterstützt die KEM die Stadt bei der strategischen Planung für die weitere städtebauliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung Pirnas.
Bis Ende 2009 wurden mit Hilfe des Sanierungsträgers 78,5 Millionen Euro Fördermittel bewilligt und umgesetzt. Insgesamt investierten private und öffentliche Bauherren rund 150 Millionen Euro in die Altstadt von Pirna.